Fastenzeit. Aus Verzicht wird Kunst!

Es ist Freitag nach Aschermittwoch. Ich halte inne, mit einem Blick zurück auf die vergangene Woche. Was hat meiner Seele, meinem Körper gut getan? Was hat mich wortwörtlich “gefüttert”?

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Mittwochmorgen war ungewohnt. Aufstehen und kein Facebook. Keine Blog-Statistik. Stattdessen habe ich vor dem Aufstehen der Kinder eine Stunde gearbeitet, gelesen und gebetet. Das war auch nicht schlecht. Ein paar Mal habe ich reflexartig Facebook aufgerufen, aber dann erschien die Warnung auf dem Bildschirm: Shouldn’t you be working? (Solltest du nicht arbeiten?)
Ich lese jetzt morgens wieder als erstes die Losung und da stand am Mittwochmorgen, passend zu meinem Fastenbeginn:
“Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.” (Psalm 5, 4)
Beim Frühstück erzählte ich Armin von meinem Fasten-Vorhaben. Amelie hörte aufmerksam zu und fragte mich, was Fasten sei. Ich erklärte ihr die Tradition von Fasching, Aschermittwoch und dem Fasten. Ich machte ihr klar, dass es etwas mit Freiwilligkeit und Verzicht zu tun habe. Ich war sicher, Amelie würde gleich aufstehen und gelangweilt das Zimmer verlassen. Stattdessen saß sie noch ein paar Minuten still auf ihrem Stuhl und dachte nach. “Ich will auch fasten”, sagte sie schließlich mit entschlossener Stimme. Ich: “Hä?”
Immer wieder unterschätze ich dieses Kind und seine spirituelle Tiefgründigkeit. Mit ihren sieben Jahren versteht sie mehr, als ich es mit 22 Jahren getan habe.
“Ja, Mama. Ich will mich noch entscheiden. Entweder verzichte ich aufs Fernsehen oder aufs I-Pad.” Einen halben Tag später verkündete sie ihren I-Pad-Verzicht. Die letzten zwei Tage hat sie das voll durchgezogen. Ihre kleine Schwester machte mit. Respekt. Sie trafen diese Entscheidung aus sich heraus, ohne dass wir Eltern nur im Entferntesten irgendwelche Forderungen gestellt hätten.
Ich habe meine Fastenvorhaben (keine sozialen Medien, keine Süßigkeiten, kein Alkohol) ebenfalls zwei volle Tage durchgezogen und stelle fest: Es tut so gut.


Kennt ihr noch das Fernseh-Testbild von früher mit seinem eintönigen Rauschen? Wenn man um zwei Uhr nachts von der Dorf-Disco nach Hause kam und noch etwas Fernsehen schauen wollte? Dann gab es nur ein Programm: Testbild. Das wäre höchstens im betrunkenen Zustand spannend.
Das Internet ist das neue Rauschen. Permanent. Im Hintergrund. In meinem Kopf. In meiner Gefühlswelt. Und jetzt ist es weg. Es herrscht Ruhe. Ich kann mich endlich wieder denken hören.
Ich bin wieder fest in der Gegenwart und meinen Beziehungen verankert, ohne schnelle Fluchtmöglichkeit vor Alltags-Eintönigkeit ins Internet.
Meine Kreativität macht Luftsprünge und ich kann mich gar nicht retten vor neuen Ideen.
Ich habe gebastelt.
Ich lese mehr mit den Kindern.
Ich lese überhaupt wieder mehr.
Ich rede mehr mit meinem Mann.
Ich gehe früher ins Bett.
Ich träume verrücktes Zeug.
Ich träume.
Ich fotografiere.
Fasten ist derzeit mein Seelenfutter. Wusste ich es doch: Gewinn kommt manchmal im Gewand von Verzicht daher …

Der Artikel erschien erstmals auf dem Blog von Veronika Smoor:

smoorbaer.wordpress.com

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