
Was steht über Ihrem Leben?
Elisabeth Mittelstädt
"Jesus is victor" Jesus ist Sieger. Nachdenklich betrachtete ich die Worte auf dem schlichten Grabstein einer großartigen Frau:
Corrie ten Boom Widerstandskämpferin, Holocaust-Überlebende, Autorin und Rednerin. Der Staat Israel ehrte die Niederländerin für
ihren mutigen Einsatz unter Juden im Dritten Reich. Ihr Name reiht sich ein in der Gedenkstätte Yad Vashem auf der "Allee der Gerechten unter
den Völkern" in Jerusalem. Vor 25 Jahren trat die überzeugte Christin ihre Heimreise in den Himmel an. Auf diesem Grabstein stehen ihre
letzten Worte an die Welt.
Erinnerungen wurden wach, während ich im vergangenen Februar über den Friedhof in Santa Anna, Kalifornien, lief, auf dem Corrie begraben ist.
Vor über 30 Jahren 1975 stellte ich mich in einer Schlange vorm Kino an, um "The hiding Place" zu sehen, die Verfilmung ihrer
Autobiografie "De Schuilplaats" (Die Zuflucht). Kurz vor der Premiere in Beverly Hills hatten Neo-Nazis Tränengas-Bomben ins Kino geworfen!
Doch was dem Film schaden sollte, entpuppte sich als ideale, wenn auch ungewöhnliche Werbekampagne. Alle Zeitungen und TV-Sender berichteten von dem
Vorfall und der Premiere.
Der Film berührte mich stark: Corries Familie rettete viele Juden, bis sie inhaftiert und ins Konzentrationslager Ravensbrück
gebracht wurde. Corrie überlebte. Nach ihrer Befreiung aus dem KZ mit Mitte Fünfzig reiste sie mit ihrem alten Koffer in über 60 Länder und
sprach über Versöhnung und Vergebung. Wie war es möglich, im Angesicht des Todes so mutig zu leben? Nicht aufzugeben, auch wenn das Böse
zu gewinnen schien und sie selbst sich schwach und hilflos fühlte? Wie konnte sie ihren Feinden vergeben, obwohl es so weh tat? Wusste sie, dass trotz
allem Schweren am Ende dieser Satz über ihrem Leben stehen würde: "Jesus ist Sieger"?
Wenig später stand ich vor ihr. Da mein Mann und ich 1975 in Kalifornien lebten, war es möglich, Corrie in einem Gottesdienst zum ersten Mal persönlich zu erleben. Mit großen Augen
schaute ich die damals 83-Jährige an: strahlende blaue Augen, pummelig und eine Frisur wie ein Donut. Gebrechlich und müde wirkte sie auf mich.
Aber ihre Botschaft und ihr klarer Geist hatten nichts an Kraft verloren. Während sie in ihrem starken holländischen Akzent sprach, dachte ich:
Das ist eine besondere Frau Gottes, die seine Liebe in Aktion zeigt. Wenn sie von ihren Erlebnissen berichtete, war es, als richtete sie den Scheinwerfer
auf meine Situation und die Entscheidungen, die ich zu treffen hatte. Jede Erfahrung in unserem Leben, erklärte sie, jede Person, die Gott in unser
Leben stellt, ist eine perfekte Vorbereitung auf unsere Zukunft, die nur er kennt. Wie dankbar war ich, dass Gott Corrie so früh als Vorbild in mein
Leben stellte! Ihr Mut und ihre Liebe zu Gott und Menschen haben mich tief geprägt. Eine unscheinbare Heldin, die so viele Menschen berührt hat,
weil sie in den schwierigen Situationen ihres Lebens nicht aufgegeben hat.
In dieser Ausgabe können Sie lesen, wie Frauen in fröhlichen und in
problematischen Situationen an Gott festhalten. Und Sie lernen Vesna Bühler kennen, die seit 14 Jahren mit ihrer Familie in Israel lebt. Sie erzählt
bewegende Geschichten aus diesem Land, das in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feierte.
Mich haben die Momente vor Corries Grab ermutigt. Ihr Grabstein ist
ein Gedenkstein: Jesus hat gesiegt. Er wird siegen. Er ist Sieger. Was steht über Ihrem Leben? Wenn wir uns Jesus anvertrauen, bleibt uns nicht jeder
Schmerz erspart. Aber letztlich können wir nicht verlieren. Diese Gewissheit, dass Jesus auch in Ihrem Leben Sieger sein wird, wünsche ich Ihnen
in allen Lebenslagen.