Janet Paschal
Janet Paschal ist eine inspirierende Gospelsängerin, die oft mit "Bill Gaithers Homecoming Tour" in Verbindung gebracht wird. Jedes Jahr gibt sie mehr als hundert Konzerte, einige an so berühmten Orten wie der Carnegie Hall, dem Sydney Opera House und der Grand Ole Opry. Im Oktober 2009 tourte sie mit Bill Gaither durch Deutschland und sang auch in Wetzlar. Als sie auf der Bühne stand, zeigten ihr Lächeln und die Liebe in ihren Augen, für wen sie singt: für den König der Könige und Herrn der Herrn. Im Januar 2005 wurde bei Janet Brustkrebs diagnostiziert und sie durchlief elf Monate lang verschiedene Behandlungen. Hier erzählt sie von ihrem Kampf gegen Krebs, vom "Heldentum" der Angehörigen und von den Wundern, die es im Alltag zu entdecken gilt.
Ich war allein zu Haus, als das Telefon klingelte. Am Mittwoch, den 5. Januar hatte ich eine Gewebeentnahme vornehmen lassen und wir erwarteten die Ergebnisse frühestens am folgenden Montag. Doch schon am Freitag rief der Arzt an: "Wir haben die Ergebnisse." Das nächste Wort aus seinem Mund war: "Leider". Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich kaum an den Rest des Gesprächs. Ich fühlte mich wie taub - irgendwo zwischen Verleugnung und Ungläubigkeit und dem überwältigenden Gefühl, dass dies alles ein Traum sei. Als mein Mann nach Hause kam, sagte ich zu ihm: "Ich muss mit dir reden." Wir setzten uns aufs Bett, ich sah ihn an und sagte: "Der Onkologe hat angerufen. Ich habe Brustkrebs." Die Worte, die aus meinem Mund kamen, hörten sich seltsam an.
Jenseits der Angst
In den ersten Tagen nach der Diagnose fragte mein Mann mich, ob ich Angst hätte. Ich konnte ehrlich antworten: Nein. Ich stellte auch nicht meinen Glauben infrage. Warum sollte ich eine Ausnahme sein? Ich fragte nicht "Warum?" oder "Warum nicht?". Stattdessen fand ich zu meiner Überraschung eine eiserne Entschlossenheit in meinem Herzen, eine starke Gewissheit: Gott weiß, was passiert.
Mehr als je zuvor wurde mir bewusst, wie reich ich war: Ich bin gesegnet mit der besten Familie der Welt. Allesamt sind sie Gebetskämpfer, und schon mehrfach habe ich von ihrer leidenschaftlichen Fürbitte profitiert und Dinge erlebt, für die es keine andere Erklärung gibt als ein direktes Eingreifen Gottes. Mein Mann stand hundertprozentig hinter mir. Er glaubte ohne jeden Zweifel, dass Gott mich heilen würde.
Meine engsten Freunde hatte Gott höchstpersönlich für mich ausgesucht.
Er wusste, dass sie stark sein müssten, weil ich sie so sehr brauchen würde. Es ist so typisch für Gott, dass er solche starken Gefühle parallel laufen lässt. Er gibt uns Raum, traurig zu sein und zu weinen, und dabei weiß er schon, dass wir auf schnellstem Weg hin zu dem finden würden, was wir im Innersten glauben. Mitten in den schrecklichen Neuigkeiten leuchtete hell auf, wie gesegnet ich war.
Liebe, die alles erträgt
Die Chemotherapie schien ein Erfolg auf ganzer Linie zu sein. Der Tumor wurde so klein, dass er durch einen chirurgischen Eingriff leicht entfernt werden konnte. Ich bin überzeugt: Der Herr ging vor mir her, er leitete die Hände des Chirurgen, wie mein Schwager am Morgen erbeten hatte. Sogar der Chirurg sagte später, es "lief besser, als erwartet".
All das bestätigt, was ich schon die ganze Zeit geahnt hatte: Gott ist bei uns in allen Einzelheiten unseres Lebens. Er geht mit in den OP und in die Onkologieabteilung. Er ist da, wenn wir ins Auto oder in ein Flugzeug steigen. Er schaut zu, wenn wir den Rasen mähen, das Baby füttern oder uns die Haare kämmen. (Vielleicht ist das der Zeitpunkt, zu dem er ihre Zahl auf den neuesten Stand bringt.)
Vier Wochen später sollte ich noch einmal ins Krankenhaus kommen. Reine Routine, dachte ich. Der Arzt schaute uns ernst an und sagte: "Wissen Sie, wir haben vielleicht nicht alle Krebszellen abgetötet." Die Chemotherapie hatte den Tumor zwar verkleinert, aber nicht alle Zellen innerhalb des Tumors abgetötet. Das bedeutete: Falls Zellen den Tumor verlassen hatten und in andere Körperteile gewandert waren, könnte es sein, dass diese Zellen ebenfalls noch lebten. Kurz gesagt: Niemand konnte uns mit Gewissheit sagen, ob sich in meinem Körper noch lebende Krebszellen versteckten.
Die darauffolgenden Behandlungen dauerten jeweils mehrere Stunden. Mit mir im Raum lagen noch andere Krebspatienten. Die meisten wurden von ihren Ehepartnern begleitet.
Mir kam der Gedanke, dass diese Krankheit weit schlimmer ist für all die Ehemänner, Ehefrauen, Mütter, Väter, Schwestern, Brüder und Freunde als für die Person, die an die durchsichtigen Plastikschläuche angeschlossen ist. Die Ehefrauen und Ehemänner schauen zu, wenn die giftige Flüssigkeit in die Venen des Menschen fließt, den sie vor vierzig - oder vor zwei - Jahren geheiratet haben. Sie wissen, dass es starke Nebenwirkungen gibt und keine Garantie auf Erfolg. Trotzdem werden sie zum nächsten Termin wiederkommen. (...)
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