Bärbel Löffel-Schröder
Das hatte sie nicht gewollt. Die Augen ihres Kindes wandten sich ab und füllten sich mit Tränen.
„Mama, ich hab das doch nicht extra gemacht“, weinte die Kleine, und ihre Unterlippe schob sich zitternd nach oben.
Die Mutter schaute auf den umgefallenen Eimer und die große Wasserpfütze auf dem Fußboden. Auch das noch. Wo doch heute sowieso schon so viel zu tun war.
Warum blieb eigentlich alles an ihr hängen? Und dann sollte sie immer noch geduldig sein. Ihr Mann hatte gut reden. Er war nicht den ganzen Tag mit zwei kleinen Kindern zu Hause.
„Mensch, Emma, warum passt du nicht ein bisschen auf? Jetzt geh in dein Zimmer und spiel mit deinen Spielsachen!“
Wie das Kind sie anschaute. Traurig, aber auch ein bisschen trotzig.
„Mama, ich wollte dir doch nur helfen“, erklärte sie schluchzend, drehte sich um und lief ins Kinderzimmer.
Die Mutter lachte leise vor sich hin. Aber es war ein bitteres Lachen. Helfen. Schöne Hilfe.
Jetzt konnte sie auch noch die ganze Überschwemmung beseitigen. Toll. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Und dann die Heulerei im Kinderzimmer.
In ihre Gedanken schoben sich nun auch noch Vorwürfe.
Warum hatte sie Emma so ausgeschimpft?
Konnte das Kind etwas dafür?
Sie würde später zu ihr gehen und versuchen, den Schaden wieder gutzumachen.
Jetzt erst mal aufwischen.
„Mama?“, hörte sie plötzlich ein leises, fragendes Stimmchen. (…)
Dies ist ein Auszug aus LYDIA 2-2009. Wenn Sie weiterlesen möchten, fordern Sie einfach ein Probeheft an!