Antidepressiva auf vier Pfoten
Mein unkonventioneller Weg aus der Depression
Simone Kathrin Wollmann
Damit ich nicht vor die Hunde gehe, bin ich auf den Hund gekommen, antworte ich schmunzelnd auf eine mir oft gestellte Frage. Und falls jemand noch wissen will: "Und wie geht's dir?", sage ich strahlend: "Das sieht man doch: richtig gut!" Richtig gut hat meine Karriere als Hundefrauchen allerdings nicht begonnen, im Gegenteil ...
Mitten in einer problematischen Zeit enttäuschten mich Menschen mit verletzenden Worten. Schockiert starrte ich innerlich auf die Scherben einer menschlichen Fassade. Eine Welle der Enttäuschung und Traurigkeit überschwemmte mich. Ich zog mich zurück, weinte, betete und konnte mich nicht beruhigen oder trösten lassen. Es war nicht das erste Mal im Leben, dass ich von einem Menschen enttäuscht wurde, aber in diesem Fall traf es mich besonders hart. Solche schmerzlichen Erfahrungen bleiben wohl kaum einem Menschen erspart. Partner, Verwandte, Freunde, Kollegen, Mitchristen und auch Vorbilder lassen unvermutet ihre Masken fallen. Beziehungen zerbrechen und man fragt sich fassungslos: "Wie soll es jetzt weitergehen?"
Telefonterror
In dieser schweren Zeit begann jemand, mich mit anonymen Anrufen zu terrorisieren. Doch anstatt eine Trillerpfeife zu holen,
klebte ich eine kleine lachende Sonne auf den Telefonhörer, als stumme Erinnerung daran, freundlich zu bleiben.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich dies nicht mehr durchhalten konnte. Irgendwann streikten Körper und Seele.
Ich rutschte seelisch in ein dunkles Tal und fühlte mich schließlich kaum noch in der Lage aufzustehen.
Ich verspürte weder Hunger noch Durst. Weil ich kaum noch aß und wenig trank, spielte mein Kreislauf verrückt.
Doch das war mir egal. Das Telefon läutete und läutete neben meinem Bett. Ich zog mir die Decke über den Kopf
und hätte nur noch weinen mögen. Am liebsten wäre ich gestorben. Das Einzige, was meine Nasenspitze geradeso
über Wasser hielt, wenn Lügen und Zweifel durch meine Gedanken geisterten, waren die positiven Aussagen in Gottes Wort.
Auch beim Lesen eines christlichen Rundbriefes, der an meinem Tiefpunkt zufällig mit der Post kam und nur für meine
Situation geschrieben schien, lichtete sich der Nebel meiner Traurigkeit. Gottes Liebe und sein Ja zu mir würden unveränderlich
bleiben. Daran klammerte ich mich fest, um nicht im Schlamm der Verzweiflung zu versacken.
Kapitulation
Eines Morgens, als ich den kalt gewordenen Tee appetitlos musterte und zufällig in den großen Schrankspiegel blickte,
erschrak ich vor meinem eigenen Anblick. Wenn ich nicht sofort Stopp! sagte, würde eine Krankenhauseinweisung unumgänglich
werden. Da bekam ich es mit der Angst zu tun, denn das Wort Krankenhaus war ein rotes Tuch für mich. Völlig geschwächt
schleppte ich mich bis an den Punkt, an dem ich endgültig kapitulierte. Ich kann nicht mehr, Herr, flüsterte ich erschöpft
in die Einsamkeit meines Schlafzimmers. Ich habe keinen Plan, wie ich in Zukunft weitermachen soll. Hier hast du meine Enttäuschung,
Ängste, Panik, den Zorn. die Schwäche, alle Traurigkeit ... Ich kippte den ganzen Schwall meiner verletzten Emotionen unters Kreuz.
Jesus hatte mir die Hand schon lange entgegengestreckt und nur darauf gewartet, dass ich endlich einschlug. Eine zentnerschwere
Last rutschte mir von den Schultern.
Haarige Fata Morgana
Genau in diesem Moment entstand ein seltsames Bild vor meinem geistigen Auge.
Eigentlich war ich hellwach und doch träumte ich anscheinend. Ich sah die Schlafzimmertür aufgehen und einen größeren,
hellen Hund eifrig wedelnd an mein Bett eilen. Dann war alles verschwunden. Ich setzte mich kerzengerade auf. Niemand wusste von meinem
geheimen großen Herzenswunsch, den ich seit fünfunddreißig Jahren in mir hegte. Da immer jemand oder etwas dagegensprach,
hatte ich ihn längst begraben. Woher also gerade jetzt diese Erinnerung? Herr, warst du das eben?, flüsterte ich zittrig.
Sollte sich der Schöpfer des Universums tatsächlich so liebevoll und speziell zu mir herunterbeugen? Herr, ist das dein Ernst?
Dies ist ein Auszug aus LYDIA 4-2008. Wenn Sie weiterlesen möchten, fordern Sie einfach ein Probeheft an!