
Klatsch und Tratsch
Wenn wir andere verletzen
Monika Scherbaum
Schon als kleines Mädchen lernte ich die Klatsch-Welt kennen. Der Tante-Emma-Laden meiner Patentante war ein Umschlagplatz für Neuigkeiten. "Hast du schon gehört?"; "Was, du weißt noch nicht ...?" Ich hatte schon als Vierjährige ein gutes Gespür für das, was ich hören wollte, und was nicht. Wenn von einem Fest die Rede war, wer alles eingeladen war und wer welche Kleidung anhatte, war ich ganz Ohr. Bei Schilderungen von Krankheiten oder wer wie schön im Sarg lag ergriff ich meist die Flucht.
Was ist Klatsch und Tratsch? Unter Klatsch versteht man die Verbreitung von privaten Neuigkeiten und Gerüchten über jemanden, der nicht anwesend ist.
Der Grund für Klatsch ist oft einfach sein Unterhaltungswert, Neugier oder schlicht der Mangel an Gesprächsthemen. Im Unterschied dazu ist Tratsch die
üble Nachrede. Man redet bewusst negativ über andere. Beides ist etwas anderes als Geplauder oder Smalltalk. Ich muss gestehen, auch ich habe dem Klatsch
und Tratsch nicht nur zugehört. Ich habe selbst mitgetratscht und wurde auch selbst zum Opfer. Wie schlimm ist Klatsch und Tratsch wirklich? Was sagt Gottes
Wort dazu, und wie sollen wir damit umgehen? Die Bibel hat zu diesem Thema sehr viel zu sagen. Jakobus schreibt, dass Worte sowohl negative als auch positive Kraft
haben können, und stellt fest, dass die Zunge sehr schwer im Griff zu haben ist. In Sprüche 18,21 lesen wir: Worte haben Macht: Sie können über
Leben und Tod entscheiden. Darum ist jeder für die Folgen seiner Worte verantwortlich. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was wir reden!
Fehlformen im Umgang mit unseren Worten:
Unnütze Worte
Im Buch der Sprüche finden wir viele Ratschläge zum Umgang mit unseren Worten. Unter anderem auch den Hinweis: Wer viele Worte macht, wird sicher schuldig
darum hält der Kluge sich zurück (Sprüche 10,19). Jesus ermahnte seine Jünger in der Bergpredigt: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, alles
andere stammt vom Bösen (Matthäus 5,37). Warum ist es gefährlich, viele Worte zu machen? Viel Reden führt schnell dazu, dass man an anderen schuldig wird.
Außerdem besteht die Gefahr, etwas voreilig zu versprechen oder Gesagtes gar nicht zu meinen. Uns sollte klar sein, dass wir eines Tages vor Gott für die Worte
geradestehen müssen, die nutzlos und unaufrichtig waren. Wir werden Rechenschaft ablegen müssen für die Worte, hinter denen wir nicht standen, und für
die, die sich mit unserem Leben nicht deckten. Wenn wir uns also nicht sicher sind, ob wir etwas sagen sollten oder nicht, oder wenn wir etwas gar nicht so meinen, dann
ist es besser, zu schweigen und sich zurückzuhalten.
Lästern und Verleumden
In der Bibel wird der Teufel oft Verleumder oder Ankläger genannt. Wer Klatsch und Tratsch verbreitet und Menschen dadurch verleumdet,
unterstützt also die Arbeit des Teufels! Es ist nicht nur wichtig, selbst nicht zu tratschen, sondern auch, keinen Tratsch anzunehmen.
Stattdessen können wir sagen: Tut mir leid, du erzählst mir Dinge, die mich nichts angehen, ich möchte sie nicht hören.
Es gibt viele Möglichkeiten, stopp! zu sagen und das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Aus der Bibel wird klar, dass üble
Nachrede kein Kavaliersdelikt ist. Gott urteilt sehr hart über Verleumder. Der Vers in 1. Timotheus 5,13 ist eine ernsthafte Ermahnung, nicht
geschwätzig zu sein: Denn statt zu helfen, besteht die Gefahr, dass sie träge und geschwätzig werden. Neugierig beschäftigen sie
sich mit Dingen, die sie überhaupt nichts angehen. Klatsch und Tratsch zerstört Beziehungen. Mir erzählte eine Frau: Einmal im Monat
treffe ich mich mit zwei weiteren Kolleginnen zum Mittagessen. Letztes Mal blieb die eine Frau zu Hause, weil ihr Kind krank war. So waren wir nur zu
zweit. In dieser Zweisamkeit erzählte mir die eine Kollegin ganz vertraulich , was sie an der anderen oft so verwundere, störe und was sie nicht
verstehe. Ich hatte den Eindruck, sie war froh, dass sie sich einmal aussprechen konnte. Sie machte einen erleichterten Eindruck. Doch ich fühlte mich
total belastet, weil ich jetzt nicht mehr weiß, wie ich der anderen Kollegin begegnen soll. Wie soll ich mich in Zukunft beiden gegenüber
verhalten? Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr auf ein gemeinsames Mittagessen. Das Reden übereinander belastet Beziehungen. Dabei ist es übrigens
ziemlich egal, ob wir Wahrheiten oder Unwahrheiten weitererzählen. Manchmal denken wir, es stimmt ja alles, deshalb kann ich es erzählen.
Nein! Wer die Wahrheit mit den falschen Absichten weitergibt, kann auch viel zerstören. Wir sollten unseren Motiven auf die Spur kommen.
Dies ist ein Auszug aus LYDIA 4-2008. Wenn Sie weiterlesen möchten, fordern Sie einfach ein Probeheft an!